Wie man mit „Fisch, Neubau und Morgenroutine“ Musikgeschichte anmoderiert.
Moderation ist nicht nur reden – es ist reden im richtigen Moment, mit den richtigen Worten und so, dass niemand merkt, wenn es eigentlich gar nicht geplant war.
Und um das zu üben, hatte ich ein ganz spezielles Training:
Während ein Titel lief, rief mir ein Kollege drei völlig zusammenhangslose Worte zu – und meine Aufgabe war, diese in meiner nächsten Moderation unterzubringen, ohne dass es auffiel.
So kam es, dass ich irgendwann auf einer Bühne stand, und mein Kollege mir ins Ohr flüsterte:
„Fisch, Neubau, Morgenroutine.“
Danke auch.
Die Gelegenheit, mein „Talent“ zu beweisen, kam schneller als gedacht:
Ich war im Interhotel Stadt Leipzig gebucht – ein Haus, das damals schon ein bisschen nach Westduft roch und in dem alles einen Hauch feierlicher wirkte. Dort sollte ich die Anmoderation für eine junge Kapelle übernehmen, die noch am Anfang stand: die Herzbuben. Drei nette Jungs, frisch, motiviert, leicht nervös.
Ich trat ans Mikrofon, lächelte ins Publikum – und legte los:
„Meine Damen und Herren, heute Abend haben wir hier für Sie einen musikalischen Fang gemacht – so frisch wie ein Fisch direkt aus der Gose! Und glauben Sie mir, diese vier jungen Männer sind kein Altbau, sondern ein echter Neubau – modern, energiegeladen und bereit, Ihre Abendroutine… pardon, Ihre Morgenroutine durcheinander zu wirbeln! Hier sind: Kleeblatt!“
Das Publikum klatschte – und die vier Jungs schauten mich an, als hätte ich ihnen gerade versprochen, ihre Biografie zu schreiben. Leicht irritiert, aber auch amüsiert.
Heute, viele Jahre später, stehen diese Jungs immer noch auf der Bühne. Nur der Name hat sich geändert: „Die Prinzen.“
Und jedes Mal, wenn ich sie irgendwo sehe, denke ich:
Vielleicht hätten sie sich ohne meine „Fisch-Neubau-Morgenroutine“-Moderation nie so gut auf unvorhergesehene Situationen eingestellt.
Oder sie haben seitdem einfach einen weiten Bogen um Moderatoren gemacht.
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