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Kapitel 1 – Die Geburt einer Stimme

Vom Steckerzieher zum Schallplattenunterhalter mit Konzeptpflicht.

Bevor ich als Heinz-Hugo über Stadtfeste, Sportevents und internationale Empfänge moderieren durfte, stand ich in dunklen Ecken von Diskotheken – nicht aus Schüchternheit, sondern weil da der Technikraum war. Ich war Techniker. Einer von denen, die wussten, wo hinten das Kabel reingeht und vorne die Musik rauskommt.

Ich durfte mich um Verstärker, Lichtanlagen und Tanzflächenbeschallung kümmern. Im Klartext: Wenn etwas nicht funktionierte, war ich schuld. Wenn alles lief – war es selbstverständlich.

Doch irgendwann war mir das hinter dem Pult stehen nicht mehr genug. Die Musik wollte raus – und zwar mit meiner Stimme. Ich wollte selbst auflegen. Selbst ans Mikro.
Ich wollte: Schallplattenunterhalter werden.

So nannte man das in der DDR – was heute vielleicht ein bisschen nach Heizlüfter mit Plattenspieler klingt, war damals ein echter Beruf mit Anspruch. Und vor allem: mit Prüfung.

Wer dachte, man könne einfach zwei Platten auflegen und ein paar lockere Sprüche klopfen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Es gab Einstufungsveranstaltungen, bei denen man nachweisen musste, dass man nicht nur Musik abspielen, sondern auch moderieren konnte. Ein Konzept war Pflicht. Kein Witz: Ich musste schriftlich darlegen, was ich zwischen zwei Liedern sage.

Die Jury bestand aus gestandenen Kulturfunktionären mit Klemmbrettern, die auch bei 120 BPM mit unbewegtem Gesicht im Takt nicken konnten.
Ich hatte ein Konzept dabei – handgetippt auf der „Erika“. Es enthielt Musikvorschläge, Übergangstexte und sogar Hinweise zur Tanzanimation („Aufforderung zur Gruppenpolka“). Ich meine: Wenn das kein Entertainer war – was dann?

Der Moment der Wahrheit kam. Ich stellte mich vor das Publikum (also: die Jury, zwei gelangweilte Lehrlinge und eine ältere Frau mit Kittelschürze vom Kulturhaus).
Ich sagte:
„Meine Damen und Herren – wir tanzen heute nicht nur, wir feiern die Musik… und uns selbst ein bisschen mit.“
Ein Hauch von Applaus. Ich war drin.

Und so begann meine Reise.
Nicht mit Applaus auf offener Bühne – sondern mit einem Stempel auf einem Prüfprotokoll und der Erlaubnis, mich ab sofort offiziell „staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter mit Moderationsbefugnis“ nennen zu dürfen.

Ein Titel, der auf keiner Visitenkarte Platz hatte – aber in meinem Herzen bis heute weiterklingt. Und der Grundstein war für das, was folgte:
Heinz-Hugo – mit Mikro, Musik und einer Stimme, die gelernt hat, auch ohne Zettel zu funktionieren.

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