Warum das Mikrofon manchmal der eigentliche Star ist.
Es gibt Dinge, auf die man sich als Moderator immer verlassen möchte:
Das Mikrofon.
Die Technik.
Und dass der Tonmann im entscheidenden Moment nicht auf der Toilette ist.
Leider gab es in meiner Laufbahn genug Abende, an denen mindestens einer dieser drei Punkte nicht erfüllt war. Einer meiner Favoriten:
Ich stand auf einer Open-Air-Bühne, Sonnenschein, guter Soundcheck, volles Haus – alles lief perfekt. Ich griff zum Mikrofon, begann meine Begrüßung… und plötzlich klang meine Stimme, als würde ich aus der Tiefsee funken. Knacken, Aussetzer, dann wieder glasklar. Es war, als hätte das Mikro entschieden, mein persönliches Improvisationstraining auf ein neues Level zu heben.
Ich hielt kurz inne, schaute das Publikum an und sagte:
„Keine Sorge, meine Damen und Herren – das ist keine Störung. Das ist Dolby Surround live.“
Gelächter.
Doch das Mikro hatte noch mehr Tricks auf Lager. Kaum setzte ich zum nächsten Satz an, ertönte ein lautes „Piiieeeeeep“ – Rückkopplung deluxe. Wer es nicht kennt: Das ist dieser Ton, der selbst Tauben aus drei Straßen weiter vertreibt.
Ich improvisierte:
„Falls Sie gerade eingeschlafen sind – jetzt sind Sie wach.“
Applaus. Nicht wegen der Technik, sondern weil ich nicht vom Bühnenrand gesprungen bin.
Der Höhepunkt kam, als das Mikro endgültig ausfiel. Ich hielt es noch in der Hand, lächelte und rief einfach ohne Verstärkung:
„Meine Damen und Herren – ab jetzt machen wir das wie immer – mit fester Stimme und ohne Strom!“
Und tatsächlich: Das Publikum rückte enger zusammen, hörte zu, und die Stimmung wurde noch besser.
Seitdem weiß ich:
Technik ist toll – aber das Wichtigste ist, dass die Stimme funktioniert.
Und notfalls auch die Hände, um zu gestikulieren.
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