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Es werden Posts vom September, 2025 angezeigt.

Kapitel 8 – Die Magie der Improvisation

Wenn der Zettel weg ist – aber der Moderator bleibt. Moderieren ist wie Autofahren: Man hat einen Plan, eine Strecke, vielleicht sogar ein Navi – aber manchmal fährt man eben Umwege. Und manchmal landet man auf einer Schotterstraße ohne Schild. Dann zählt nur eins: Improvisation. Ich habe früh gelernt: Ein Moderator ohne Spontanität ist wie ein DJ ohne Strom – technisch möglich, aber nicht zu empfehlen. Da gibt es zum Beispiel die Momente, in denen der Moderationszettel vom Wind davonfliegt. Ich erinnere mich an einen Stadtfest-Abend, an dem genau das passierte. Ein kräftiger Windstoß, und mein sorgfältig ausgearbeiteter Zettel segelte ins Publikum. Ein kleiner Junge fing ihn tatsächlich und winkte mir zu, als hätte er einen Foulball beim Baseball gefangen. Ich schaute ihn an und sagte: „Na dann, mein Lieber, lies doch gleich selbst an!“ Das Publikum lachte – und ich hatte meinen roten Faden wieder, nur eben ohne Papier. Oder wenn die Technik streikt: Musik startet nicht, Mikrofon raus...

Kapitel 7 – Zwischen Applaus und Bratwurstduft

Wenn die Show auf der Bühne läuft – und am Grillstand auch. Ein Moderator hat immer zwei Arten von Publikum: Die, die gekommen sind, um zuzuhören. Und die, die eigentlich nur eine Bratwurst wollten. Man erkennt Letztere sofort: Sie stehen am Rand, Papiersemmel in der einen Hand, Senffleck im Gesicht und werfen mir diesen Blick zu, der sagt: „Mach du mal da vorne dein Programm, ich passe hier auf meinen Ketchup auf.“ Und trotzdem – oder gerade deswegen – ist es meine Aufgabe, alle zu erreichen. Die, die jubeln. Die, die zuhören. Und die, die noch mit dem Mund voller Bratwurst nicken. Ich habe gelernt: Humor ist der Schlüssel. Ein lockerer Spruch, eine kleine Pointe – und schon bleibt auch der Bratwurstesser kurz stehen, hört hin und denkt sich: „Na gut, den Satz lasse ich mir noch schmecken.“ Einmal bei einem Stadtfest stand die Bühne direkt neben dem Grillstand. Das hieß: Während ich die nächste Band ankündigen wollte, schwebte eine Wolke Bratwurstduft über die Bühne. Ich atmete tief e...

Kapitel 6 – Der Typ mit dem Anzug und der Stimme

Moderieren ist Haltungssache. Manchmal auch Strumpfsache. Es gibt Dinge, auf die man sich vorbereitet. Und dann gibt es Dinge, auf die man sich einstimmt. Für manche ist das ein Schluck Wasser. Für mich war es an diesem Tag: eine kurze Hose. Und orthopädische Strümpfe. In Weiß. Knackig stramm. Warum? Weil ich an diesem Abend Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe anmoderieren durfte – und wenn man eine Band mit so einem Namen auf die Bühne bittet, geht man nicht im Smoking. Man geht mit Stil. Und mit Humor. Also eben: kurzer Hose und Langstrumpf. Ich sah aus wie eine Mischung aus Wandergruppenleiter und Klinikpraktikant. Aber ich fühlte mich bereit. Bereit für einen denkwürdigen Auftritt. Ich trat ans Mikrofon, schaute ins Publikum – und begann mit den legendären Worten: „Wisst ihr, wozu orthopädische Strümpfe gut sind?“ Kurze Pause. „Für genau das, was jetzt kommt!“ Gelächter. Und schon hatte ich sie: das Publikum. Ich sprach über Kompression, Mode und Musik – in genau der Reihen...

Kapitel 5 – Samoaner, Schnee & Sonderfälle

Wenn Moderation zur Extremsportart wird. Moderieren ist nicht immer Sonnenschein, Applaus und Mikrofon in Wohlfühllautstärke. Manchmal ist es eher eine Mischung aus Campingurlaub im Regen und Improvisationstheater auf offener Bühne. Ich erinnere mich an Moderationen bei minus fünf Grad, irgendwo zwischen Glühweinduft und Eiszapfen an der Nase. Während das Publikum sich in Decken kuschelte und den heißen Kakao festhielt, stand ich im Anzug auf der Bühne und tat so, als würde mich die Kälte nicht beeindrucken. Kleiner Tipp: Ein Mikrofon aus Metall fühlt sich bei -5 Grad ungefähr so an wie ein Griff ins Gefrierfach – nur länger. Dann gab es die Regenauftritte. Wenn die Wolken aufmachen, die Bühne unter Wasser steht und man im Programmheft eigentlich „lockere Moderation“ versprochen hat. Ich habe gelernt: Mit Humor kann man alles überspielen. Einmal rutschte ich fast vom nassen Bühnenboden und rettete mich mit den Worten: „Meine Damen und Herren, das war der schnellste Paso Doble meines Le...