Wenn der Zettel weg ist – aber der Moderator bleibt.
Moderieren ist wie Autofahren: Man hat einen Plan, eine Strecke, vielleicht sogar ein Navi – aber manchmal fährt man eben Umwege. Und manchmal landet man auf einer Schotterstraße ohne Schild. Dann zählt nur eins: Improvisation.
Ich habe früh gelernt: Ein Moderator ohne Spontanität ist wie ein DJ ohne Strom – technisch möglich, aber nicht zu empfehlen.
Da gibt es zum Beispiel die Momente, in denen der Moderationszettel vom Wind davonfliegt. Ich erinnere mich an einen Stadtfest-Abend, an dem genau das passierte. Ein kräftiger Windstoß, und mein sorgfältig ausgearbeiteter Zettel segelte ins Publikum. Ein kleiner Junge fing ihn tatsächlich und winkte mir zu, als hätte er einen Foulball beim Baseball gefangen. Ich schaute ihn an und sagte:
„Na dann, mein Lieber, lies doch gleich selbst an!“
Das Publikum lachte – und ich hatte meinen roten Faden wieder, nur eben ohne Papier.
Oder wenn die Technik streikt: Musik startet nicht, Mikrofon rauscht, Spot geht aus. Dann stehe ich da, breite die Arme aus und sage:
„So, meine Damen und Herren, das war Kunstpause Nummer eins. Kunstpause Nummer zwei folgt in fünf Minuten.“
Applaus garantiert – selbst wenn keiner weiß, was gerade schiefgelaufen ist.
Mein Lieblingsfall bleibt aber das Publikum selbst. Kinder, die plötzlich auf die Bühne rennen, Leute, die Zwischenrufe machen oder jemand, der im entscheidenden Moment unbedingt seinen Hund vorstellen möchte. Genau da zeigt sich, ob man Moderator oder nur Ansager ist. Ein Moderator nimmt solche Momente auf, spielt damit – und macht sie zum Teil der Show.
Denn die Wahrheit ist:
Das Publikum merkt meistens gar nicht, dass etwas schiefgegangen ist – solange man es charmant überspielt.
Improvisation ist nicht Plan B. Sie ist oft Plan A.
Und manchmal, ganz ehrlich, sind es genau die improvisierten Momente, an die sich die Menschen später erinnern. Nicht die perfekt gesprochene Anmoderation, sondern der Satz, der eigentlich gar nicht im Skript stand.
Oder, wie ich gern sage:
Die besten Moderationen sind die, die man nicht vorbereitet hat.
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