Wenn Moderation zur Extremsportart wird.
Moderieren ist nicht immer Sonnenschein, Applaus und Mikrofon in Wohlfühllautstärke. Manchmal ist es eher eine Mischung aus Campingurlaub im Regen und Improvisationstheater auf offener Bühne.
Ich erinnere mich an Moderationen bei minus fünf Grad, irgendwo zwischen Glühweinduft und Eiszapfen an der Nase. Während das Publikum sich in Decken kuschelte und den heißen Kakao festhielt, stand ich im Anzug auf der Bühne und tat so, als würde mich die Kälte nicht beeindrucken. Kleiner Tipp: Ein Mikrofon aus Metall fühlt sich bei -5 Grad ungefähr so an wie ein Griff ins Gefrierfach – nur länger.
Dann gab es die Regenauftritte. Wenn die Wolken aufmachen, die Bühne unter Wasser steht und man im Programmheft eigentlich „lockere Moderation“ versprochen hat. Ich habe gelernt: Mit Humor kann man alles überspielen. Einmal rutschte ich fast vom nassen Bühnenboden und rettete mich mit den Worten:
„Meine Damen und Herren, das war der schnellste Paso Doble meines Lebens!“
Gelächter. Und schon war die Stimmung wieder da.
Und dann, als Kontrastprogramm, die Special Olympics World Games 2024 in Berlin. Ich durfte die Delegation aus Samoa begrüßen – ein Moment, der in seiner Wärme das kalte Wetter von manch anderem Auftritt vergessen ließ. „Talofa!“ rief ich ins Mikrofon – das samoanische Hallo. Ich hatte es stundenlang geübt, und der Applaus zeigte mir: Es war richtig. Und ehrlich gesagt, so herzlich, wie die Gäste reagierten, hätte ich auch „Tafellampe“ sagen können – sie hätten trotzdem gelächelt.
Es sind genau diese Sonderfälle, die Moderation so besonders machen:
Das Mikro geht nicht, aber die Stimme trägt.
Der Regen fällt, aber die Menschen bleiben.
Der Schnee rieselt, und man merkt: Das Publikum lacht sich gerade warm.
Und irgendwo dazwischen stehen die besonderen Begegnungen – wie die Samoaner, die mir zeigten, dass Moderation weit mehr ist als Ansagen. Es ist Brückenbauen. Zwischen Kulturen, Generationen – oder eben zwischen einer Bühne im Schnee und einem Publikum, das trotzdem bleiben will.
Mein Fazit: Moderation ist Extremsport mit Herz.
Und ich habe mich freiwillig dafür gemeldet.
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