Direkt zum Hauptbereich

Kapitel 7 – Zwischen Applaus und Bratwurstduft

Wenn die Show auf der Bühne läuft – und am Grillstand auch.

Ein Moderator hat immer zwei Arten von Publikum:
Die, die gekommen sind, um zuzuhören.
Und die, die eigentlich nur eine Bratwurst wollten.

Man erkennt Letztere sofort: Sie stehen am Rand, Papiersemmel in der einen Hand, Senffleck im Gesicht und werfen mir diesen Blick zu, der sagt: „Mach du mal da vorne dein Programm, ich passe hier auf meinen Ketchup auf.“

Und trotzdem – oder gerade deswegen – ist es meine Aufgabe, alle zu erreichen. Die, die jubeln. Die, die zuhören. Und die, die noch mit dem Mund voller Bratwurst nicken.

Ich habe gelernt: Humor ist der Schlüssel. Ein lockerer Spruch, eine kleine Pointe – und schon bleibt auch der Bratwurstesser kurz stehen, hört hin und denkt sich: „Na gut, den Satz lasse ich mir noch schmecken.“

Einmal bei einem Stadtfest stand die Bühne direkt neben dem Grillstand. Das hieß: Während ich die nächste Band ankündigen wollte, schwebte eine Wolke Bratwurstduft über die Bühne. Ich atmete tief ein und sagte:
„Meine Damen und Herren, gleich erleben Sie musikalische Feinkost vom Feinsten – und falls Sie es riechen können: kulinarische Feinkost vom Grill gleich daneben.“
Applaus und Gelächter. Und plötzlich hörten auch die Grillgäste zu.

Das ist vielleicht das Schönste am Moderieren: Die Verbindung. Manchmal entsteht sie durch große Worte, manchmal durch kleine. Und manchmal schlicht durch den Hinweis, dass es nach der Musik noch Bratwurst gibt.

Denn am Ende wollen wir doch alle nur eins: einen guten Abend haben.
Der eine mit Musik. Der andere mit Bratwurst.
Und wenn’s gut läuft – mit beidem.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kapitel 1 – Die Geburt einer Stimme

Vom Steckerzieher zum Schallplattenunterhalter mit Konzeptpflicht. Bevor ich als Heinz-Hugo über Stadtfeste, Sportevents und internationale Empfänge moderieren durfte, stand ich in dunklen Ecken von Diskotheken – nicht aus Schüchternheit, sondern weil da der Technikraum war. Ich war Techniker. Einer von denen, die wussten, wo hinten das Kabel reingeht und vorne die Musik rauskommt. Ich durfte mich um Verstärker, Lichtanlagen und Tanzflächenbeschallung kümmern. Im Klartext: Wenn etwas nicht funktionierte, war ich schuld. Wenn alles lief – war es selbstverständlich. Doch irgendwann war mir das hinter dem Pult stehen nicht mehr genug. Die Musik wollte raus – und zwar mit meiner Stimme. Ich wollte selbst auflegen. Selbst ans Mikro. Ich wollte: Schallplattenunterhalter werden. So nannte man das in der DDR – was heute vielleicht ein bisschen nach Heizlüfter mit Plattenspieler klingt, war damals ein echter Beruf mit Anspruch. Und vor allem: mit Prüfung. Wer dachte, man könne einfach zwei Plat...

Kapitel 2 – 1986: Der Einstieg ins Rampenlicht

Wie man mit „Fisch, Neubau und Morgenroutine“ Musikgeschichte anmoderiert. Moderation ist nicht nur reden – es ist reden im richtigen Moment, mit den richtigen Worten und so, dass niemand merkt, wenn es eigentlich gar nicht geplant war. Und um das zu üben, hatte ich ein ganz spezielles Training: Während ein Titel lief, rief mir ein Kollege drei völlig zusammenhangslose Worte zu – und meine Aufgabe war, diese in meiner nächsten Moderation unterzubringen, ohne dass es auffiel. So kam es, dass ich irgendwann auf einer Bühne stand, und mein Kollege mir ins Ohr flüsterte: „Fisch, Neubau, Morgenroutine.“ Danke auch. Die Gelegenheit, mein „Talent“ zu beweisen, kam schneller als gedacht: Ich war im Interhotel Stadt Leipzig gebucht – ein Haus, das damals schon ein bisschen nach Westduft roch und in dem alles einen Hauch feierlicher wirkte. Dort sollte ich die Anmoderation für eine junge Kapelle übernehmen, die noch am Anfang stand: die Herzbuben. Drei nette Jungs, frisch, motiviert, leicht nerv...

Kapitel 3 – Der Tanz mit dem Kabelgebundenem

Warum das Mikrofon manchmal der eigentliche Star ist. Es gibt Dinge, auf die man sich als Moderator immer verlassen möchte: Das Mikrofon. Die Technik. Und dass der Tonmann im entscheidenden Moment nicht auf der Toilette ist. Leider gab es in meiner Laufbahn genug Abende, an denen mindestens einer dieser drei Punkte nicht erfüllt war. Einer meiner Favoriten: Ich stand auf einer Open-Air-Bühne, Sonnenschein, guter Soundcheck, volles Haus – alles lief perfekt. Ich griff zum Mikrofon, begann meine Begrüßung… und plötzlich klang meine Stimme, als würde ich aus der Tiefsee funken. Knacken, Aussetzer, dann wieder glasklar. Es war, als hätte das Mikro entschieden, mein persönliches Improvisationstraining auf ein neues Level zu heben. Ich hielt kurz inne, schaute das Publikum an und sagte: „Keine Sorge, meine Damen und Herren – das ist keine Störung. Das ist Dolby Surround live.“ Gelächter. Doch das Mikro hatte noch mehr Tricks auf Lager. Kaum setzte ich zum nächsten Satz an, ertönte ein lautes...