Moderieren ist Haltungssache. Manchmal auch Strumpfsache.
Es gibt Dinge, auf die man sich vorbereitet. Und dann gibt es Dinge, auf die man sich einstimmt.
Für manche ist das ein Schluck Wasser. Für mich war es an diesem Tag: eine kurze Hose. Und orthopädische Strümpfe. In Weiß. Knackig stramm.
Warum? Weil ich an diesem Abend Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe anmoderieren durfte – und wenn man eine Band mit so einem Namen auf die Bühne bittet, geht man nicht im Smoking. Man geht mit Stil. Und mit Humor. Also eben: kurzer Hose und Langstrumpf. Ich sah aus wie eine Mischung aus Wandergruppenleiter und Klinikpraktikant. Aber ich fühlte mich bereit. Bereit für einen denkwürdigen Auftritt.
Ich trat ans Mikrofon, schaute ins Publikum – und begann mit den legendären Worten:
„Wisst ihr, wozu orthopädische Strümpfe gut sind?“
Kurze Pause.
„Für genau das, was jetzt kommt!“
Gelächter. Und schon hatte ich sie: das Publikum.
Ich sprach über Kompression, Mode und Musik – in genau der Reihenfolge. Es war eine Mischung aus medizinischem Fachvortrag, Schlagerparade und Late-Night-Comedy. Ich glaube, ich erwähnte sogar das Wort Durchblutungsförderung in einem Satz mit Headbangen.
Guildo kam schließlich auf die Bühne, warf mir einen Blick zu, der irgendwo zwischen Respekt und Mitleid pendelte, und sagte nur:
„Endlich mal ein Moderator mit Geschmack – und Gummibund.“
Der Abend war ein voller Erfolg.
Nicht, weil ich so gut vorbereitet war.
Nicht, weil die Technik funktionierte (die schwankte irgendwo zwischen Wackelkontakt und Weltempfänger).
Sondern weil ich gelernt habe:
Man kann alles moderieren – solange man bereit ist, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.
Und wenn ich jemals eine Modekollektion rausbringe, heißt sie:
„Heinz-Hugo – die Beinstrumpf-Edition.“
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