Wenn Improvisation zum Markenzeichen wird.
Es gibt Moderationen, die laufen glatt. Man kündigt an, man übergibt, man bedankt sich – fertig. Nett, ordentlich, fehlerfrei.
Und dann gibt es die anderen. Die, bei denen man am Ende denkt: „Das hat jetzt nur mit Humor funktioniert.“
Ein Klassiker in meiner Laufbahn war der Abend, an dem ich auf der Bühne stand, bereit, eine Reihe von Ehrengästen vorzustellen. Alles vorbereitet, alles notiert – doch genau in diesem Moment war mein Moderationszettel verschwunden.
Kalte Hände, schneller Puls. Ich wusste: Gleich erwarten hier zehn Leute, dass ich ihre Namen nenne – und ich hatte genau drei davon noch sicher im Kopf.
Also tat ich, was ich immer tue, wenn es keinen Plan B gibt: Ich lächelte.
Und improvisierte.
„Meine Damen und Herren, wir begrüßen nun einen Mann, der in seiner Stadt so bekannt ist wie die Bockwurst am Imbissstand – und mindestens genauso beliebt…“
Applaus. Der erste Gast kam nach vorne, strahlte, als hätte ich ihn mit einem Orden ausgezeichnet.
Dann die nächste:
„Und hier kommt eine Frau, die heute extra aus dem Süden angereist ist – ihre Energie steckt uns alle an. Eine echte Powerfrau!“
Wieder Applaus. Sie kam auf die Bühne, verbeugte sich, als hätte ich ihr gerade einen Preis verliehen.
So ging es weiter. Ich stellte Menschen vor, ohne ihre Namen zu nennen, sondern beschrieb sie wie Charaktere in einem Theaterstück: „der Held des Tages“, „die Dame mit Herz und Stimme“, „der Mann, ohne den heute nichts gehen würde“.
Das Publikum war begeistert. Sie dachten offenbar, das sei eine neue Form der Showmoderation – originell, frisch, anders.
Und ich? Ich schwitzte Blut und Wasser.
Am Ende kam jemand aus dem Publikum zu mir und sagte:
„Das war die kreativste und herzlichste Vorstellungsrunde, die ich je erlebt habe. Man hat gar nicht gemerkt, dass Sie keinen Zettel hatten!“
Genau da habe ich verstanden:
Improvisation ist kein Notnagel. Sie ist oft die Würze, die eine Moderation unvergesslich macht.
Und deshalb sage ich:
Die echten Heinz-Hugo-Momente passieren nicht trotz Pannen – sondern wegen ihnen.
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