Es gibt im Leben einen Zeitpunkt, an dem man nicht mehr auf der Suche ist. Man versteht nicht alles, aber genug, um zu wissen, wo man steht und wohin man nicht mehr zurückwill.
Für mich hat sich der Begriff Sinn im Laufe der Jahre deutlich verschoben. Früher war er verbunden mit Leistung, Bewegung, Sichtbarkeit. Heute ist Sinn etwas Bodenständiges. Etwas, das funktioniert. Einfachheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Nicht Besitz, nicht Titel und nicht Geschwindigkeit geben meinem Alltag Bedeutung, sondern verlässliche Strukturen. Eine ruhige Wohnung. Ein geregelter Tagesablauf. Und eine Frau an meiner Seite, die diesem Leben Stabilität gibt.
Ich habe viel von der Welt gesehen. Flughäfen, Länder, Zeitzonen, Hotels, Menschen, Begegnungen auf Zeit. Das war keine romantische Vorstellung, sondern Alltag. Achim Reichel singt davon, die ganze Welt gesehen zu haben. Für mich war das keine Metapher, sondern Realität. Vielleicht ist es genau deshalb so, dass mich heute Ruhe mehr erfüllt als jede Form von Applaus oder äußerer Anerkennung.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse meines Lebens ist, dass Menschenkenntnis kein angeborenes Talent ist. Sie entsteht durch Erfahrung und durch die Bereitschaft, sich selbst ehrlich zu betrachten. Wer andere verstehen will, muss zuerst lernen, sich selbst auszuhalten. Ohne Ausreden, ohne Vereinfachungen. Dabei gehört auch die Erkenntnis dazu, dass Kompromisse zum Leben gehören. Solange man sich dabei nicht selbst verbiegt, sind sie kein Verlust. Ein Kompromiss wird erst dann problematisch, wenn man seine eigene Haltung aufgibt.
Mit den Jahren ist mir klar geworden, wie wichtig ein verlässlicher Rückzugsort ist. Ein Hafen, den man ansteuern kann, wenn es draußen unruhig wird. Für mich ist das mein Zuhause. Meine Frau. Unser gemeinsamer Alltag. Kein spektakulärer Ort, aber ein tragfähiger.
Im Umgang mit Menschen bin ich klarer geworden. Respekt und Anstand sind für mich keine Verhandlungsmasse. Sie sind die Grundlage jeder Zusammenarbeit und jeder Beziehung. Ohne sie funktioniert weder Führung noch Miteinander. Alles andere bleibt oberflächlich.
Meine Werte haben sich im Kern nie verändert. Sie sind mit der Zeit nur deutlicher geworden. Ruhe, Freiheit und Respekt sind die Leitlinien, an denen ich mein Leben ausrichte. Ruhe als Gegenpol zum Lärm. Freiheit gegenüber äußeren Zwängen. Respekt im Umgang mit Menschen – und die Bereitschaft, Distanz zu wahren, wenn er fehlt.
Ein Satz begleitet mich seit vielen Jahren: „Tun, nicht täte.“ Er steht für eine Haltung, die wenig Raum für Ausreden lässt. Dinge werden umgesetzt oder bewusst gelassen. Endlose Diskussionen und Absichtserklärungen führen selten weiter.
Sinn ist für mich heute kein großes Wort mehr. Er zeigt sich in einem Alltag, der funktioniert. In einem Leben, das nicht laut sein muss, um tragfähig zu sein. Es ist eine Haltung, die geerdet ist und keinen Anspruch auf Größe erhebt. Nicht höher als nötig. Nicht tiefer als erforderlich.
Es ist das, was bleibt, wenn der äußere Lärm nachlässt und das Wesentliche sichtbar wird.
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