Scheitern ist kein Makel. Es ist Pflichtprogramm.
Ich bin 65.
Geboren in Leipzig. Groß geworden in einem System, das Sicherheit versprach und Enge lieferte. Ausbildung bei ORSTA. NVA. Wende. Neustart im Westen. Später Verantwortung in einem internationalen Unternehmen, Projekte in Asien, Verhandlungen in Boardrooms. Und parallel dazu: Musik, Bühne, Mikrofon. Heinz-Hugo.
Glaubt irgendjemand ernsthaft, das wäre ohne Fehlentscheidungen gegangen?
Ich habe Dinge unterschätzt. Ich habe Menschen überschätzt. Ich habe zu lange durchgezogen. Und manchmal zu früh losgelassen. Es gab Projekte, die nicht funktioniert haben. Ideen, die keiner wollte. Entscheidungen, die im Nachhinein teuer waren. Aber genau diese Phasen haben mich geformt.
Nicht der Applaus im Felsenkeller.
Nicht die erfolgreichen Maschinenabnahmen in Übersee.
Nicht die Visitenkarte mit Titel.
Sondern die Momente, in denen ich nicht wusste, wie es weitergeht.
Man erkennt erst Jahre später, was richtig war. Im Moment selbst fühlt es sich oft einfach nur unsicher an. Und jung zu sein heißt vor allem: Entscheidungen treffen mit wenig Erfahrung.
Wenn ich heute einem 25-Jährigen gegenübersitze, dann sage ich nicht: „Mach es besser als ich.“
Ich sage:
Mach es. Punkt.
Warte nicht, bis du dich bereit fühlst.
Du wirst dich nie komplett bereit fühlen.
Fehler sind kein Beweis von Schwäche.
Stillstand ist es.
Mit 65 weiß ich: Die Brüche im Lebenslauf sind keine Makel. Sie sind Belege dafür, dass du dich bewegt hast. Und Bewegung schlägt Perfektion. Immer.
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