Generika um jeden Preis? Wenn Regeln wichtiger werden als Vernunft
Wer die Diskussionen über das Gesundheitswesen verfolgt, stößt ständig auf die gleichen Schlagworte: Kostenexplosion, Defizite, Beitragserhöhungen und Sparzwänge.
Politik, Krankenkassen und Versicherungen betonen regelmäßig, wie wichtig Wirtschaftlichkeit und Kostenbewusstsein seien. Umso überraschter war ich, als ich vor wenigen Tagen eine Erfahrung machte, die genau das Gegenteil zeigt.
Ich benötigte ein Medikament zur Behandlung meiner Gicht. Dabei stellte sich heraus, dass das Originalpräparat günstiger war als das verfügbare Generikum.
Für einen außenstehenden Beobachter wäre die Sache eigentlich klar. Wenn das Ziel lautet, Kosten zu sparen, müsste die günstigere Variante bevorzugt werden.
Doch genau das geschah nicht.
Meine private Krankenversicherung teilte mir schriftlich mit, dass Originalpräparate grundsätzlich nur zu 80 Prozent erstattet werden, sobald ein Generikum verfügbar ist. Und zwar ausdrücklich auch dann, wenn das Generikum im Einzelfall teurer ist als das Original.
Ich habe diesen Satz mehrfach gelesen.
Denn genau an dieser Stelle stellt sich für mich eine grundsätzliche Frage:
Geht es wirklich um Wirtschaftlichkeit oder nur noch um die Einhaltung starrer Regeln?
Natürlich verstehe ich den ursprünglichen Gedanken hinter Generika. Sie sollen helfen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. In vielen Fällen funktioniert das auch.
Aber wenn eine Regel dazu führt, dass das günstigere Medikament benachteiligt wird, dann sollte man zumindest hinterfragen dürfen, ob diese Regel ihren ursprünglichen Zweck noch erfüllt.
Das eigentliche Problem sind dabei nicht die wenigen Euro in meinem Fall.
Das eigentliche Problem ist die Denkweise dahinter.
Wir diskutieren über Milliardenlöcher im Gesundheitswesen. Wir suchen nach Einsparungen. Gleichzeitig akzeptieren wir Strukturen, bei denen Wirtschaftlichkeit offensichtlich nicht immer das entscheidende Kriterium ist.
Als ehemaliger Unternehmer habe ich gelernt, dass Regeln wichtig sind. Aber Regeln dürfen niemals wichtiger werden als das Ziel, das sie erreichen sollen.
Wenn eine Vorschrift dazu führt, dass eine teurere Lösung bevorzugt wird, dann läuft etwas aus dem Ruder.
Genau deshalb halte ich diesen Vorgang für symptomatisch.
Nicht wegen der Höhe des Betrags.
Sondern weil er zeigt, wie oft in unserem Gesundheitswesen Prozesse wichtiger geworden sind als Ergebnisse.
Vielleicht sollten wir bei der Diskussion über Reformen und Einsparungen genau dort anfangen. Nicht bei neuen Beiträgen.
Nicht bei neuen Belastungen. Sondern bei der einfachen Frage:
Dient eine Regel noch ihrem ursprünglichen Zweck?
Oder verwalten wir inzwischen nur noch Bürokratie?
Wie seht ihr das?
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